Notration: fertig kaufen oder selbst zusammenstellen?

Notration anlegen für 2 Wochen: zertifizierte Notrationen wie NRG-5 & BP-ER oder Notvorrat selbst zusammenstellen – mit Einkaufsliste und ehrlichem Vergleich.

Zuletzt geprüft am · von Sylvia Falbesoner


Wer eine Notration anlegen möchte, steht schnell vor einer Grundsatzfrage: das fertige Paket vom Spezialversand – kompakt, jahrelang haltbar, aber eher Zweckkost? Oder die Notration aus Lebensmitteln, die es in jedem Supermarkt gibt – vertraut und günstig, aber pflegebedürftiger?

Die ehrliche Antwort vorweg: Beides funktioniert, und die beste Lösung ist für die meisten Haushalte eine Kombination. Dieser Ratgeber zeigt beide Wege im Detail – inklusive einer konkreten Beispiel-Liste für eine Notfallration an Lebensmitteln für 2 Wochen und eine Person.

Was macht eine Notration aus?

Eine Notration ist der eiserne Kern des Vorrats – für den Fall, dass der normale, rotierende Notvorrat aufgebraucht ist oder es schnell gehen muss. Vier Eigenschaften zählen:

  • Lange haltbar: Jahre statt Monate, ohne dass ständig kontrolliert werden muss.
  • Ohne Kühlung lagerbar: Keller, Abstellraum oder Schrank genügen – auch bei Stromausfall bleibt alles genießbar.
  • Möglichst ohne Kochen essbar: Im Ernstfall fehlen oft Strom, Zeit oder Wasser. Je mehr direkt aus der Packung essbar ist, desto besser.
  • Kompakt und energiereich: Viele Kalorien auf wenig Raum und Gewicht – wichtig vor allem, wenn die Ration ins Notgepäck soll.

Weg A: Notration fertig kaufen

NRG-5 und BP-ER – die Klassiker des Katastrophenschutzes

Die bekanntesten zertifizierten Notrationen sind NRG-5 und BP-ER: gepresste Weizenriegel in luftdichter Verpackung, wie sie Katastrophenschutz und humanitäre Organisationen weltweit einsetzen. Eine 500-Gramm-Packung liefert laut Herstellerangaben rund 2.300 kcal (NRG-5) bzw. rund 2.500 kcal (BP-ER) – also etwa den Tagesbedarf eines Erwachsenen. Die Riegel werden direkt gegessen oder mit Wasser zu einem Brei angerührt, ganz ohne Kochen. Zur Haltbarkeit nennen die Hersteller je nach Produkt und Lagerung Zeiträume von rund zehn bis zwanzig Jahren – das sind Herstellerangaben; verbindlich ist das auf der Packung aufgedruckte Datum, und kühle, trockene Lagerung hilft immer.

Geschmacklich sollte man keine Wunder erwarten: Die Riegel sind neutral bis leicht süßlich – Zweckkost, die satt macht. Genau dafür sind sie gebaut: als kompakte, wartungsfreie Reserve, nicht als Genuss.

Gefriergetrocknete Menüs als schmackhafte Ergänzung

Deutlich näher am normalen Essen sind gefriergetrocknete Gerichte aus dem Outdoor-Bereich – von Pasta bis Gulasch. Sie werden mit heißem Wasser im Beutel angerührt und sind laut Herstellerangaben oft zehn Jahre und länger haltbar. Der Haken: Sie brauchen heißes Wasser, also eine Kochmöglichkeit. Ohne Strom heißt das meist Gaskocher – und damit gilt die eiserne Regel: niemals in geschlossenen Räumen ohne Frischluft betreiben, nur bei guter Belüftung oder im Freien, denn bei der Verbrennung kann giftiges Kohlenmonoxid entstehen; ein CO-Melder gibt zusätzliche Sicherheit. Wie viele Kartuschen Sie für zwei Wochen brauchen, verrät der Gaskocher-Rechner.

Weg B: Notration selbst zusammenstellen

Einen Notvorrat selbst anlegen kann jeder – mit einem einzigen Supermarkt-Einkauf. Als Orientierung dienen die offiziellen Mengen des Österreichischen Zivilschutzverbands für 14 Tage (Basis ca. 2.000 kcal pro Tag). So kann die Beispiel-Liste für 1 Person und 2 Wochen aussehen:

Lebensmittel Menge (ca.)
Reis, Nudeln, Haferflocken 3,5 kg
Zwieback, Knäckebrot 1 kg
Gemüsekonserven & Hülsenfrüchte in Dosen 4 kg
Obstkonserven & Trockenfrüchte 2 kg (davon ca. 500 g Trockenfrüchte)
Fisch- und Fleischkonserven, Fertiggerichte in Dosen 2 kg
H-Milch (ergänzend Milchpulver) 4–4,5 l
Pflanzenöl 0,5 l
Nüsse 500 g
Schokolade, Müsliriegel 300–500 g
Salz, Zucker oder Honig, Kaffee/Tee je nach Gewohnheit
Wasser/Getränke mind. 21 l, besser 28 l

Achten Sie darauf, dass ein guter Teil davon kalt essbar ist – Dosenfisch, Hülsenfrüchte aus der Dose, Zwieback, Nüsse und Trockenfrüchte funktionieren ganz ohne Kochstelle. Und denken Sie an den manuellen Dosenöffner: Der elektrische nützt beim Stromausfall nichts. Wie lange die einzelnen Produkte wirklich halten – oft weit über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus –, zeigt das Haltbarkeits-Lexikon am Beispiel Notnahrung.

Der Vergleich: fertig kaufen oder selbst machen?

Weg A: fertige Notration Weg B: selbst zusammengestellt
Haltbarkeit viele Jahre (laut Hersteller teils 10–20 Jahre) meist 1–3 Jahre, einzelne Produkte länger
Geschmack Zweckkost, wenig Abwechslung vertraute Lebensmittel, viel Abwechslung
Platzbedarf minimal – Tagesration in Jackentaschengröße deutlich mehr – mehrere Kisten pro Person
Aufwand einmal kaufen, jahrelang Ruhe planen, einkaufen, im Blick behalten
Rotation praktisch keine nötig nötig – als „lebender Vorrat" aber einfach
Fürs Notgepäck ideal – leicht und kompakt kaum geeignet – schwer und sperrig

Unsere Empfehlung: kombinieren

Für die allermeisten Haushalte ist die Antwort ein klares Sowohl-als-auch:

  • Die Basis selbst zusammenstellen – nach der Liste oben, aus Lebensmitteln, die Sie ohnehin essen. Sie wird im Alltag rotiert und bleibt so immer frisch. Die exakten Mengen für Ihren Haushalt liefert der Vorrats-Rechner.
  • Dazu 1–2 Packungen zertifizierte Notration als wartungsfreie Reserve – vor allem im Notgepäck, wo jedes Gramm und jeder Zentimeter zählt.
  • Wer mag, ergänzt gefriergetrocknete Menüs für warme, schmackhafte Mahlzeiten – samt Gaskocher und ausreichend Kartuschen.

Mehr als das braucht es für realistische Szenarien nicht. Ob sich darüber hinaus ein ganz großer Vorrat lohnt, haben wir übrigens separat durchgerechnet – im Ratgeber Lebensmittelvorrat für 1 Jahr: sinnvoll oder übertrieben?